My American Minutes

MY AMERICAN MINUTES (1991-2018)

MY AMERICAN MINUTES Postcard (2018)

 

Zwischen 1993 und 1996 produzierte der Filmemacher und Künstler Kai Zimmer einen Zyklus kleinerer Found Footage-Collagen mit dem übergeordneten Titel „My American Minutes“. Die vergleichsweise kurzen Filme eröffnen spielerisch einen imaginären Aufenthalt auf dem amerikanischen Kontinent bzw. in dessen Medienwelt. Zimmers neueste Arbeit „Findings“ (engl. für „Befund“) schließt diesen Zyklus ab: eine 60-minütige Aneinanderreihung von Alltagsaktionen, Personen, Dingen und Orten, die sich zu einer Kette von Impressionen zusammenfügen, die einen unverstellten Blick auf die amerikanische Kultur, Politik und Gesellschaft eröffnen wollen.

Inspirationsgeber …

„Mich interessierte eine Art von Fotografie, die vergleichbar ist mit visuellen Notizen. Ich wollte etwas festhalten können, ohne gleich ein komplexes Foto machen zu müssen.“ (Stephen Shore)

Kulturelle Strömungen und Zusammenhänge manifestieren sich insbesondere in alltäglichen Situationen, banalen Gegenständen, unscheinbaren Landschaften oder gesichtslosen Orten. In seinen fotografischen Serien registriert, konserviert und reflektiert Stephen Shore diese Spuren menschlichen Lebens, die normalerweise übersehen und nicht als bildwürdig betrachtet werden. Als Chronist des Unspektakulären zeigt er die Strukturen und sensiblen Zusammenhänge unserer westlichen Kultur auf. So wird der Akt des Fotografierens zum Versuch, sich seiner Selbst und seiner Umwelt zu vergewissern und durch Beobachtung tiefere Erkenntnis zu erlangen. Als Chronist des Unspektakulären zeigt er die Strukturen und sensiblen Zusammenhänge unserer westlichen Kultur auf.

Mischung von Dokumentarismus und künstlerischer Reflexion

In Tradition von Walker Evans und Robert Frank verortet er anschließend die US-amerikanischen Konsum- und Alltagswelten, jedoch nicht als visuelle Studie eines konkreten Status quo, sondern um das Wesen der jeweiligen Orte wie eine ambivalente Folie zu erfassen – daher auch seine klare Abwendung von bekannten Landmarks und Typologien. Er wandte sich früh schlichten, nicht bildwürdig geltenden Motiven zu, Egglestones Straßenfotografie flanierender Kamerakünstler, des neugierigen Loners, des unbeteiligten Voyeurs, der allein über den Fotoapparat Kontakt zu seiner Umwelt sucht.

Notizen, fragmentarisch …

„… dokumentarisches Interesse mit persönlichen Statement versehen … man arbeitete im Selbstauftrag, durfte sich als Autor fühlen und war niemanden zu Rechenschaft verpflichtet … nicht die wie auch immer geartete Sensation sondern das absurde verblüffende frappierende Weinen oder Lachen machende Miteinander anonymer Zeitgenossen … nutzen das Treiben im öffentlichen Raum … Schönheit gewöhnlicher Dinge , Situationen, banaler Dinge des Alltags … Nicht durch Schauspielerei, Inszenierung oder die Strukturen anderer Künste (des Theaters, des Romans), sondern durch die ausgefeilte Montage objektiver Wirklichkeitsausschnitte sollte der Sinn und die Wirkung des Films entstehen …