No Questions (1999)

NO QUESTIONS
(4:3, 2:15 Min., Farbe colour, D 1999)

In einem seiner neuesten, in diesem Jahr (1999) entstandenen, Videos
zeigt uns Kai Zimmer ein Selbstportrait. Es trägt den Titel „No Questions“,
stellt aber lauter Fragen. Auf unserem Bildschirm erscheint das Bild eines
Computermonitors. Zunächst wüsste man gerne, wo man ist.
O-Schrift: „Wo bin ich? / An der Oberfläche / Welche Oberfläche? / An Ihrer eigenen“.
Der Bildschirm ist zweigeteilt. Auf der rechten Seite erscheint das Portraitfoto
des Künstlers, auf der linken auch. Das Gesicht erscheint und zerfällt
in jenem Quadratraster, mit dem im Fernsehen
Bildteile unsichtbar gemacht werden, die aus dem Fluss der Veröffentlichung
herausgenommen werden sollen, entweder zum Schutz der Person
oder zum Schutz der betrachtenden Person: Gesichter und Geschlechtsteile.
Das Selbstportrait baut sich auf und verschwindet und kommt wieder.
Das geht rasant, und die Auto-Kommunikation läuft schnell heiß:
„Mir ist heiß / Überprüfen Sie die Batterie.“ Auch Schwindel stellt sich ein.
„Was haben Sie gemacht? / Ich habe mich festgehalten / Kennen wir uns? / Nein! /
Ich möchte mich auch festhalten.“ Kommunikative Defizite werden deutlich:
„Warum kann ich Sie nicht hören? / Sie lesen mich.“ Die digitale Sprache läuft
nach eigenen Gesetzen ab. Sie bedient sich am Ende eines Hilfsmittels,
das wir von Taubstummen kennen, es nimmt die Hände zu Hilfe:
„Die Zeit wird knapp / Sagen Sie ’Auf Wiedersehen’ /
Ich kann nicht sprechen. / Benutzen Sie Ihre Hand.“
Wenigstens gibt es zwischendurch eine echte Enthüllung:
„Tragen Sie Unterhosen? / Doppelripp, weiß.“
(Knut Nievers, Katalog zum Gottfried-Brockmann-Preis, 1999)

NO QUESTIONS/Videostill (1999)/edition of 10 (variable sizes)/©kaizimmer1999